Schallschutz der Trockenbauwand: was zwischen zwei Räumen zählt
Ein Besprechungsraum neben dem Großraumbüro, das Sprechzimmer einer Praxis, zwei Ladenlokale Wand an Wand: Die Trennwand ist laut Datenblatt ordentlich dimensioniert, und trotzdem versteht man nebenan jedes Wort. Dieser Beitrag erklärt, warum Laborwert und Bauwert auseinanderliegen, welche Aufbauten den Schallschutz einer Trockenbauwand verbessern und welche Details auf der Baustelle ihn wieder verschlechtern.
Rw und R′w: Laborwert und Wert im Gebäude
Das bewertete Schalldämm-Maß Rw stammt aus dem Prüfstand nach DIN EN ISO 10140-2, in dem die Übertragung über Flankenwege unterdrückt ist. Knauf schreibt im System-Datenblatt für Metallständerwände ausdrücklich dazu, Rw gelte „ohne Schallübertragung über flankierende Bauteile“.
Im Gebäude zählt das bewertete Bau-Schalldämm-Maß R′w. Es erfasst auch den Schall, der über Boden, Decke, angrenzende Wände und Öffnungen wie Rohrdurchführungen in den Nachbarraum gelangt. Bei einem Trennbauteil mit vier flankierenden Bauteilen berücksichtigt das Rechenverfahren nach DIN 4109-2 neben dem direkten Weg zwölf Flankenwege, je Flanke drei. Diese Flankenübertragung erklärt, warum eine Wand mit gutem Prüfwert nach dem Einzug enttäuschen kann. Läuft ein Estrich unter der Wand durch, wandert der Schall an ihr vorbei, und daran ändert auch eine schwerere Trennwand nichts.
Raumakustik ist ein anderes Thema. Absorber verkürzen den Nachhall im Raum selbst, am Schalldämm-Maß der Trennwand ändern sie nichts. Wie man den Nachhall plant, zeigt der Beitrag Nachhallzeit berechnen.
Masse-Feder-Masse: wie eine Ständerwand dämmt
Eine Ständerwand ist zweischalig. Die Beplankungen beider Seiten wirken als Massen, die Luftschicht im Hohlraum dazwischen als Feder, die Schwingungen nur abgeschwächt weitergibt. Das funktioniert oberhalb der Resonanzfrequenz dieses Masse-Feder-Masse-Systems. Sie hängt von den flächenbezogenen Massen der Schalen und vom Schalenabstand ab, denn je tiefer der Hohlraum, desto weicher die Feder: Schwerere Platten und ein tieferer Hohlraum senken die Resonanzfrequenz. Die eingelegte Mineralwolle dämpft die Luftschicht und unterdrückt so Hohlraumresonanzen.
Bei der Einfachständerwand sitzen beide Schalen auf demselben CW-Profil, ein Teil der Schwingung läuft also durch das Metall am Hohlraum vorbei. In der Doppelständerwand hat jede Schale ihr eigenes Ständerwerk. Daher kommt der große Sprung im Schalldämm-Maß bei kaum höherem Gewicht.
Oben eine Einfachständerwand, unten eine Doppelständerwand mit zwei getrennten Ständerreihen. Horizontalschnitt, schematisch, nicht maßstäblich.
- Beplankung aus zwei Lagen Gipsplatten je Seite: die „Masse“
- CW-Ständerprofil
- Mineralwolle im Hohlraum: die „Feder“ zwischen den Massen
- Anschlussdichtung zum angrenzenden Bauteil
- Fuge zwischen den getrennten Ständerreihen
- Flankierendes Bauteil, hier eine Massivwand
- Schallweg über das gemeinsame Ständerprofil; bei getrennten Ständerreihen fehlt diese Brücke
Was den Schallschutz einer Trockenbauwand verbessert
Das System-Datenblatt von Knauf stellt Varianten mit gleichem Grundaufbau nebeneinander. Daran lässt sich ablesen, was einzelne Maßnahmen bringen. Die Werte gelten laut Hersteller nur mit den Komponenten des jeweiligen Systems.
| System | Beplankung je Seite | Ständerwerk | Mineralwolle | Wanddicke | Gewicht ohne Dämmung, ca. | Rw | Feuerwiderstand |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| W111.de | 1 × 12,5 mm Bauplatte | CW 50 | 40 mm | 75 mm | 22 kg/m² | 44,2 dB | ohne Klasse |
| W112.de | 2 × 12,5 mm Bauplatte | CW 50 | 40 mm | 100 mm | 41 kg/m² | 54,1 dB | F 30 |
| W112.de | 2 × 12,5 mm Bauplatte | CW 100 | 80 mm | 150 mm | 41 kg/m² | 58,4 dB | F 30 |
| W112.de | 2 × 12,5 mm Diamant | CW 50 | 40 mm | 100 mm | 56 kg/m² | 59,4 dB | F 90 |
| W116.de | 2 × 12,5 mm Bauplatte | 2 × CW 50, verlascht | 40 mm | ab 155 mm | 45 kg/m² | 54 dB | F 30 |
| W115.de | 2 × 12,5 mm Bauplatte | 2 × CW 50, getrennt | 2 × 40 mm | 155 mm | 44 kg/m² | 64,7 dB | F 30 |
| W115.de | 2 × 12,5 mm Diamant | 2 × CW 50, getrennt | 2 × 40 mm | 155 mm | 59 kg/m² | 69,7 dB | F 90 |
- Zweite Plattenlage, von W111.de auf W112.de mit CW 50: 9,9 dB mehr.
- Die schwerere Diamant-Platte statt der Bauplatte: 5,3 dB mehr.
- CW 100 mit 80 mm statt CW 50 mit 40 mm Mineralwolle: 4,3 dB mehr.
- Getrennte Ständer, W115.de statt W112.de mit gleichen Platten: 10,6 dB mehr bei nur 3 kg/m² Mehrgewicht. Die verlaschte W116.de, deren Profilreihen fest verbunden sind, liegt mit 40 mm Dämmschicht trotz 155 mm Dicke bei 54 dB.
Die Werte gelten für 625 mm Ständerachsabstand. Laut Hersteller kann eine Abweichung, etwa ein engerer Ständerachsabstand wegen Fliesen, das Schalldämm-Maß verändern. Voraussetzung für diese Werte ist Mineralwolle mit einem längenbezogenen Strömungswiderstand nach DIN 4109-33 zwischen 5 und 50 kPa·s/m².
Bei knapper Wanddicke helfen spezielle Schallschutzplatten. Für die 100 mm dicke Einfachständerwand mit je Seite einer Lage Schallschutzplatte unter einer Lage Diamant nennt das Datenblatt 64,4 dB. Das ist fast der Wert der 155 mm dicken Doppelständerwand mit Bauplatten.
Schwachstellen, die man erst auf der Baustelle sieht
Steckdosen Rücken an Rücken
Elektrodosen werden gern Rücken an Rücken gesetzt, weil die Leitung dann nur einmal durch den Hohlraum muss. Knauf empfiehlt für Wände bis Rw 60 dB, die Dosen je Wandfeld nicht gegenüberliegend einzubauen, Fehlstellen zu schließen und keine starren Verbindungen zur Gegenseite herzustellen. Für eine Doppelständerwand mit innerer Beplankung zieht der Hersteller nach Messungen pauschal 1 dB für Steckdosen und Schalter ab, bei beidseitig gegenüberliegendem Einbau 2 dB. Trennt die Wand zwei Nutzungseinheiten, muss sie häufig auch Brandschutzanforderungen erfüllen. Welche Auflagen dann für Dosen gelten, erklärt der Beitrag Brandschutz im Trockenbau.
Estrich und Unterdecke laufen durch
Steht die Wand auf dem fertigen Estrich, läuft dieser unter ihr in den Nachbarraum weiter. Knauf vermerkt knapp: „Durchgehender Estrich vermindert die Schalldämmung.“ Besser steht die Wand auf dem Rohboden, oder der Estrich erhält unter ihr eine Trennfuge. Oben gilt dasselbe für eine durchlaufende Unterdecke. Der Schall geht in den Deckenhohlraum, über die Wand hinweg und nebenan wieder hinunter. Abhilfe schafft eine Wand bis zur Rohdecke oder ein Schott im Hohlraum. Für die Ausführung mit gleitendem Deckenanschluss nennt das Datenblatt je nach Wand Abzüge von 1 bis 4 dB, und Undichtigkeiten an diesem Anschluss mindern das Schalldämm-Maß „erheblich“.
Anschluss an Fassade und Pfosten
An Glasfassaden trifft die Wand oft auf einen schmalen Pfosten, und ihr Querschnitt muss auf dem letzten Stück verjüngt werden. Laut Datenblatt erreicht eine Trockenbauwand mit 70 dB, die auf 625 mm Länge in eine 50 mm dicke Verjüngung mit 45,5 dB übergeht, bei 8 % Flächenanteil nur noch 56,3 dB. Die Längsschallübertragung über Pfosten und Fassadenprofile ist darin noch nicht enthalten. Die Fuge zum Pfosten wird dauerelastisch abgedichtet.
Leitungen, Rohre und Türen
Bleibt um ein Rohr oder eine Kabeltrasse ein Spalt, wird er zum Nebenweg, durch den der Schall ungehindert hindurchgeht. Durchführungen werden deshalb dicht verschlossen, in Brandschutzwänden mit nachgewiesenen Abschottungen oder nach den Erleichterungen der Leitungsanlagen-Richtlinie. Die größte geplante Öffnung ist die Tür. Hat sie ein niedrigeres Schalldämm-Maß als die Wand, zieht sie nach derselben Flächenrechnung das Ergebnis der ganzen Trennfläche nach unten. Tür, Zarge und Dichtungen gehören darum in dieselbe Planung wie die Wand.
Woher die Anforderungen kommen
DIN 4109-1:2018-01 legt den baurechtlichen Mindestschallschutz fest. Sie schützt schutzbedürftige Räume, ausdrücklich auch Büro-, Praxis- und Sitzungsräume, vor Schall aus fremden Wohn- und Arbeitsbereichen. Trennt die Wand zwei Nutzungseinheiten, etwa die Flächen zweier Mieter, gilt die Norm. Innerhalb des eigenen Bereichs stellt sie an Trennwände keine Anforderungen, abgesehen von Geräuschen haustechnischer Anlagen. Für die Wand zwischen Chefbüro und Großraumbüro derselben Firma gibt DIN 4109-1 also keinen Mindestwert vor.
Höhere Ansprüche gelten nur, wenn sie vereinbart werden. DIN 4109-5:2020-08 definiert erhöhte Anforderungen gegenüber DIN 4109-1; die früheren Empfehlungen für den eigenen Bereich aus Beiblatt 2 zu DIN 4109 wurden dabei nicht übernommen. VDI 4100:2012-10 beschreibt Schallschutzstufen für Wohnungen. Für Büros im eigenen Bereich ist VDI 2569:2019-10 einschlägig, sinngemäß auch für Besprechungsräume.
Schreiben Sie deshalb den Zielwert in den Vertrag und legen Sie fest, ob Rw der Wand oder R′w zwischen den Räumen gemeint ist. Ein R′w lässt sich nur zusagen, wenn Estrich, Unterdecke und Fassadenanschluss mitgeplant sind. Gewissheit schafft eine Baumessung nach Fertigstellung, deren Verfahren DIN 4109-4 regelt. Wir empfehlen, das vor der Ausschreibung zu klären, denn Flankenwege lassen sich nachträglich nur mit großem Aufwand unterbrechen. Welche Arbeiten wir übernehmen, steht unter Leistungen im Trockenbau und Schallschutzausbau.
Prüfzeugnis und Bauteilkatalog richtig lesen
Ein Prüfzeugnis oder Prüfbericht beschreibt nur die eine geprüfte Wand. Bevor Sie den Wert übernehmen, lohnt der Abgleich:
- Messart: Der Prüfstand nach DIN EN ISO 10140-2 liefert Rw ohne Flankenwege, eine Messung am Bau ein R′w, das nur für dieses Gebäude gilt.
- Aufbau: Plattentyp, Zahl der Lagen, Profil, Ständerachsabstand und Dämmstoff müssen der Planung entsprechen.
- Einzahlangabe: Rw (C; Ctr) nach DIN EN ISO 717-1. Der Spektrum-Anpassungswert C bezieht sich auf ein Spektrum, das Wohngeräusche nachbildet, Ctr auf städtischen Straßenverkehr.
- Systembindung: Herstellerwerte decken keine Mischaufbauten aus verschiedenen Systemen ab.
Ohne Prüfbericht rechnet der Planer mit dem Bauteilkatalog DIN 4109-33:2016-07, dessen Daten ohne bauakustische Prüfung in die Verfahren nach DIN 4109-2 eingehen dürfen. Diese Werte können unter denen eines geprüften Systems liegen. Für eine Einfachständerwand mit 2 × 12,5 mm GKB je Seite auf CW 50 und 80 % Hohlraumfüllung gibt die Rigips-Broschüre „Genormte Brandschutzkonstruktionen“ für Metallständerwände den Wert aus DIN 4109-33, Tabelle 2, mit 48 dB an. Knauf nennt für W112.de mit 40 mm Dämmung im 50 mm tiefen Hohlraum 54,1 dB. Wer die 6,1 dB Unterschied nutzen will, muss das System so bauen, wie es geprüft wurde. Weitere Beiträge finden Sie im Trockenbau-Ratgeber.
Häufige Fragen
Reicht eine Einfachständerwand für einen Besprechungsraum?
Das hängt vom vereinbarten Ziel ab. Für Büros im eigenen Bereich gibt VDI 2569 Empfehlungen, die Sie vertraglich festlegen können. Eine zweilagig beplankte Einfachständerwand mit 100 mm Dicke erreicht laut Knauf-Datenblatt je nach Platten im Labor zwischen 54,1 und 64,4 dB. Ob davon zwischen den Räumen genug ankommt, entscheiden Estrich, Unterdecke, Fassadenanschluss und Tür. Bei hohen Anforderungen an die Sprachvertraulichkeit ist die Doppelständerwand die robustere Wahl.
Lässt sich eine bestehende Trockenbauwand nachträglich verbessern?
Ja, etwa mit einer zusätzlichen Plattenlage oder einer Vorsatzschale; Knauf beschreibt beide Wege in seinem System-Datenblatt. Vorher sollte aber feststehen, auf welchem Weg der Schall durchkommt. Läuft er über eine durchgehende Unterdecke, einen Estrich ohne Trennung oder offene Dosen, bringt eine dickere Wand wenig. Ein Blick in den Deckenhohlraum über der Wand ist deshalb der erste Schritt.
Welcher Wert gehört in die Ausschreibung, Rw oder R′w?
Am besten beide, sauber getrennt. Rw beschreibt das Wandsystem und lässt sich mit Datenblatt oder Prüfbericht belegen. R′w beschreibt das Ergebnis zwischen zwei Räumen und hängt von allen angrenzenden Bauteilen ab. Wer nur ein Rw ausschreibt, bekommt eine Wand, aber kein zugesagtes Ergebnis im Raum. Wer ein R′w fordert, muss klären, wer für Decke, Boden und Fassade verantwortlich ist, und sollte eine Messung nach DIN 4109-4 vereinbaren.
Muss die Trennwand immer bis zur Rohdecke gehen?
Für den Schallschutz allein nicht. Endet sie an der Unterdecke, muss der Deckenhohlraum darüber getrennt werden, etwa mit einem Schott, oder die Unterdecke braucht eine vom Hersteller ausgewiesene Längsschalldämmung. Bei vielen Trassen und Kanälen im Hohlraum ist die Wand bis zur Rohdecke oft einfacher, weil sich ein Schott um Installationen herum nur schwer dicht ausführen lässt. Trennt die Wand aber zwei Nutzungseinheiten oder hat sie eine Brandschutzanforderung, muss sie nach Bauordnungsrecht in der Regel bis zur Rohdecke reichen; Ausnahmen wie Flurwände unter einer feuerhemmenden Unterdecke regelt der Brandschutznachweis.
Normen und Regelwerke
- DIN 4109-1:2018-01 – Mindestanforderungen an den Schallschutz schutzbedürftiger Räume gegenüber fremden Wohn- und Arbeitsbereichen
- DIN 4109-33:2016-07 – Bauteilkatalog mit schalltechnischen Daten für Holz-, Leicht- und Trockenbau
- DIN EN ISO 10140-2:2021-09 – Messung der Luftschalldämmung von Bauteilen im Prüfstand ohne Flankenübertragung
- VDI 2569:2019-10 – Schallschutz und akustische Gestaltung von Büros im eigenen Bereich
- Knauf System-Datenblatt W11_DSS.de Metallständerwände – Schalldämm-Maße, Anschlussdetails und Einbau von Elektrodosen